Scheuermann – Krankheit – Diagnostik, Physiotherapie und Behandlung der jugendlichen Kyphose

Scheuermann – Krankheit – Diagnostik, Physiotherapie und Behandlung der jugendlichen Kyphose

Als Physiotherapeut mit langjähriger Erfahrung begegne ich in meiner Praxis regelmäßig besorgten Eltern und Jugendlichen, bei denen ein Scheuermann-Syndrom diagnostiziert wurde. Oft wird es mit einer gewöhnlichen Haltungsschwäche verwechselt, doch dieser Zustand erfordert ein deutlich spezialisierteres Vorgehen.
Die Scheuermann-Krankheit (auch juvenile Kyphose genannt) ist eine aseptische Knochennekrose der Wirbelsäule, die zu einer dauerhaften Deformität und biomechanischen Störungen führt.

In diesem Artikel erkläre ich genau, was diese Erkrankung ist, wie die Diagnostik der Scheuermann-Krankheit abläuft und wie man das Problem effektiv behandelt, um dem jungen Patienten eine schmerzfreie und gesunde Zukunft zu ermöglichen.

Ursachen und Symptome – Worin unterscheidet sich die Scheuermann – Krankheit vom gewöhnlichen Rundrücken?

Viele Menschen glauben, dass ein Rundrücken aus Faulheit oder langem Sitzen vor dem Computer entsteht. Bei der Scheuermann-Krankheit liegt das Problem jedoch tiefer – in der Struktur der Knochen.
Die Erkrankung entwickelt sich in der Phase intensiven Wachstums, meist zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr.

Das Kernproblem ist eine Störung der Verknöcherung der Wirbelkörper. Ein gesunder Wirbel hat eine zylindrische Form (seitlich als Rechteck sichtbar). Bei der Scheuermann-Krankheit kommt es zur Keilform der Wirbelkörper – der vordere Anteil wächst langsamer als der hintere. Dadurch krümmt sich die Brustwirbelsäule übermäßig nach hinten und bildet den sogenannten Rundrücken.

Wichtigste Ursachen der Scheuermann – Krankheit:

  • Genetische Faktoren: Häufig familiäres Auftreten.
  • Überlastungen: Mikroverletzungen während des Wachstums können die Durchblutung der Deckplatten beeinträchtigen.
  • Hormonelle Störungen: Einfluss auf Wachstum und Körpermasse.

Symptome der juvenilen Kyphose

Patienten klagen selten nur über das äußere Erscheinungsbild. Typische Symptome sind:

  1. Rückenschmerzen: Häufig nach langem Sitzen oder körperlicher Belastung, zunehmend im Tagesverlauf.
  2. Morgensteifigkeit: Eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.
  3. Deformität: Sichtbar gerundeter Rücken, vorverlagerte Kopf- und Schulterhaltung.
  4. Kompensationen: Verstärkte Lendenlordose (Hohlrundrücken).

Am häufigsten ist die Brustwirbelsäule betroffen (Typ I), seltener die Lendenwirbelsäule oder der thorakolumbale Übergang (Typ II), was oft schmerzhafter ist.

Diagnostik der Scheuermann – Krankheit – Die Basis jeder Behandlung

Eine korrekte Diagnose ist entscheidend, um sie nicht mit einer korrigierbaren Haltungsabweichung zu verwechseln. Bereits in der körperlichen Untersuchung fällt eine starre Kyphose auf, die sich beim Versuch der Aufrichtung nicht korrigieren lässt.

Der Goldstandard ist jedoch die bildgebende Diagnostik. Notwendig sind Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule in Seitansicht.

Was sieht man im Röntgenbild?

Für die Diagnose sucht der Radiologe oder Orthopäde nach den Sorensen-Kriterien:

  • Keilförmige Deformierung von mindestens drei benachbarten Wirbelkörpern mit mindestens 5 Grad.
  • Eine verstärkte Brustkyphose über 45–50 Grad.
  • Das Vorhandensein sogenannter Schmorlscher Knötchen: Vorwölbungen des Bandscheibenmaterials in den Wirbelkörper.

Bei neurologischen Symptomen (was sehr selten ist) wird eine MRT empfohlen. Als Physiotherapeut messe ich zusätzlich goniometrisch die Beweglichkeit der Wirbelsäule, um die Steifigkeit zu beurteilen.

Behandlung der Scheuermann – Krankheit – Ein ganzheitlicher Ansatz

Ob eine operative Behandlung erforderlich ist, hängt vom Ausmaß der Deformität und vom Alter des Patienten ab. Muss ein diagnostiziertes Scheuermann-Syndrom sofort operiert werden?

Ganz klar: nein. In den meisten Fällen erfolgt eine konservative Behandlung.

1. Physiotherapie und Rehabilitation

Die Grundlage jeder Therapie. Ziele der Physiotherapie sind:

  • Verbesserung der Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.
  • Dehnung verkürzter Strukturen (Brustkorb, vorderes Längsband).
  • Kräftigung der Rückenmuskulatur („natürliches Korsett“).
  • Schulung der Haltung und Ergonomie („Rückenschule“).

2. Orthopädisches Korsett

Wenn die Kyphose fortschreitet und der Krümmungswinkel über 50 Grad liegt und der Patient noch wächst, kann ein Korsett (meist Typ Chêneau) notwendig sein.
Es entlastet die vorderen Wirbelsäulenanteile und ermöglicht eine bessere Knochenbildung. Die Behandlung erfordert Disziplin – oft 20–22 Stunden täglich.

3. Operative Behandlung

Eine Operation ist der letzte Ausweg. Sie wird erwogen bei:

  • Brustkyphose über 75 Grad,
  • starken, anhaltenden Schmerzen,
  • neurologischen Defiziten.

Die Operation beinhaltet eine Stabilisierung der Wirbelsäule mit Implantaten.

Scheuermann – Krankheit – Übungen und die Rolle körperlicher Aktivität

Viele Eltern fragen: „Darf mein Kind Sport treiben?“
Ja – körperliche Aktivität ist empfohlen, muss aber sorgfältig gewählt werden.
Zu vermeiden sind Sportarten, die die Wirbelsäule axial stark belasten (z. B. Gewichtheben, Sprünge auf hartem Untergrund).
Schwimmen (Rückenstil) oder Klettern gelten dagegen als sicher.

Empfohlene Übungen bei der Scheuermann-Krankheit

Bei der konservativen Therapie nutzen wir spezielle physiotherapeutische Methoden, z. B. FITS oder Schroth. Beispiele (unter Aufsicht durchführen!):

  1. Dehnung des Brustkorbs: Liegen auf einer Rolle entlang der Wirbelsäule mit ausgebreiteten Armen – öffnet den Brustkorb und wirkt der Vorverlagerung der Schultern entgegen.

  2. Kräftigung der Rückenmuskeln: Rückenstreckerübungen in Bauchlage, mit Anheben des Rumpfes unter Stabilisierung der Lendenregion.

  3. Mobilisation der Brustwirbelsäule: Übungen mit Gymnastikball oder Rolle zur Verbesserung der Segmentbeweglichkeit.

Die Scheuermann-Krankheit ist im Wachstum fortschreitend. Unbehandelt führt sie zu frühen degenerativen Veränderungen und chronischen Schmerzen im Erwachsenenalter.

 

Zusammenfassung – Wie schützt man die Wirbelsäule bei der Scheuermann-Krankheit?

Die Scheuermann-Krankheit ist eine große Herausforderung für die junge Wirbelsäule, aber kein Urteil für die Zukunft.
Frühe Diagnostik, ein gut angepasstes Korsett (falls nötig) sowie regelmäßige Physiotherapie stoppen die Fortschreitung der Deformität.

Als Physiotherapeut appelliere ich: Unterschätzen Sie keinen „Rundrücken“ bei Jugendlichen.
Eine jugendliche Brustkyphose erfordert einen professionellen Behandlungsplan.
Regelmäßiges Training, Haltungsschulung und Kräftigung der Muskulatur sind eine Investition in lebenslange Rückengesundheit.

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