Piriformis-Syndrom: Übungen gegen Ischiasschmerzen, Ursachen & Behandlung
Lesezeit: ca. 16 Min. | Autor: Physio2Move Wetzikon | Aktualisiert: Juli 2026
Das Piriformis-Syndrom ist für 6–8 % aller Ischiasschmerzen verantwortlich und entsteht, wenn der birnenförmige Musculus piriformis den darunterliegenden Nervus ischiadicus komprimiert. Typisch sind einseitige Gesässschmerzen, die ins Bein ausstrahlen und sich beim Sitzen verschlimmern. Bei rund 17 % der Bevölkerung verläuft der Ischiasnerv direkt durch den Piriformis – diese anatomische Variante erhöht das Risiko zusätzlich. Gezielte Dehnübungen (täglich 2–3 × 30 Sek. pro Seite), Triggerpunkttherapie und Dry Needling erzielen in 60–70 % der Fälle innerhalb von 3 Monaten eine deutliche Besserung.
- Was ist das Piriformis-Syndrom?
- Anatomie: Der Piriformis-Muskel und der Ischiasnerv
- Symptome des Piriformis-Syndroms
- Ursachen – Warum verkrampft der Piriformis?
- Piriformis-Syndrom vs. Bandscheibenvorfall
- Diagnostik und Selbsttests
- Behandlung des Piriformis-Syndroms
- Piriformis dehnen – 6 Übungen für zu Hause
- Piriformis-Triggerpunkte lösen
- Piriformis-Syndrom tapen
- Schlafposition bei Piriformis-Syndrom
- Piriformis-Syndrom geht nicht weg – Was tun?
- Häufige Fragen (FAQ)
Was ist das Piriformis-Syndrom?
Das Piriformis-Syndrom ist eine neuromuskuläre Erkrankung, bei der der verspannte oder verdickte Musculus piriformis (lat. „birnenförmiger Muskel") den Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) im Gesässbereich komprimiert. Diese Kompression löst Schmerzen im Gesäss aus, die häufig in den hinteren Oberschenkel und bis in die Wade ausstrahlen – ein Beschwerdebild, das klinisch als Ischiasschmerzen (Ischialgie) bezeichnet wird.
Die Erkrankung betrifft Frauen etwa 6-mal häufiger als Männer und ist für 6–8 % aller Lendenwirbelsäulen- und Ischias-Beschwerden verantwortlich. Trotz dieser Häufigkeit wird das Piriformis-Syndrom oft übersehen, da die Symptome einem Bandscheibenvorfall ähneln – die Ursache jedoch nicht in der Wirbelsäule, sondern im Gesässmuskel liegt.
Anatomie: Der Piriformis-Muskel und der Ischiasnerv
Der Piriformis ist ein flacher, dreieckiger Muskel, der vom Kreuzbein (Os sacrum, Segmente S2–S4) zum grossen Rollhügel (Trochanter major) des Oberschenkelknochens zieht. Er verläuft dabei durch das Foramen ischiadicum majus (grosses Sitzbeinloch) und teilt diese knöcherne Öffnung in zwei Durchgänge.
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Lateinischer Name | Musculus piriformis |
| Ursprung | Facies pelvica des Kreuzbeins (S2–S4) |
| Ansatz | Spitze des Trochanter major (Femur) |
| Länge | ca. 12–15 cm |
| Funktion | Aussenrotation, Abduktion & Stabilisation des Hüftgelenks |
| Innervation | Plexus sacralis (S1–S2) |
| Besonderheit | Ab 60° Hüftbeugung wechselt er zum Innenrotator |
Verlauf des Ischiasnerv zum Piriformis
Der Nervus ischiadicus ist mit einem Durchmesser von bis zu 2 cm der dickste und längste Nerv des menschlichen Körpers. Er tritt normalerweise unterhalb des Piriformis durch das Foramen infrapiriforme aus dem Becken. Bei rund 17 % der Bevölkerung existiert jedoch eine anatomische Variante: Der Nerv (oder ein Ast davon) durchbohrt den Piriformis-Muskel direkt – was das Risiko für eine Nervenkompression erheblich erhöht.
Symptome des Piriformis-Syndroms
Das Piriformis-Syndrom erzeugt ein charakteristisches Beschwerdebild, bei dem Gesässschmerzen im Vordergrund stehen. Der Schmerz sitzt typischerweise tief in einer Gesässhälfte und strahlt entlang des Ischiasnerv in den hinteren Oberschenkel aus – bei manchen Betroffenen bis in die Wade oder den Fuss.
| Symptom | Beschreibung | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Tiefer Gesässschmerz | Dumpfer, ziehender Schmerz in einer Gesässhälfte | ca. 95 % |
| Ausstrahlung ins Bein | Schmerz entlang der Oberschenkelrückseite, teils bis Wade/Fuss | ca. 80 % |
| Verschlimmerung beim Sitzen | Zunahme der Schmerzen nach > 15–20 Min. Sitzen | ca. 90 % |
| Kribbeln / Taubheit | Parästhesien im Bein oder Fuss (Nervenirritation) | ca. 40 % |
| Schmerzen beim Treppensteigen | Belastungsschmerz bei Hüftbeugung unter Last | ca. 60 % |
| Druckschmerz im Gesäss | Lokaler Schmerzpunkt bei Palpation des Piriformis | ca. 85 % |
| Schmerz beim Beine-Überkreuzen | Dehnung des Piriformis provoziert Symptome | ca. 70 % |
Im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall fehlen beim Piriformis-Syndrom typischerweise starke Rückenschmerzen. Der Schmerzfokus liegt im Gesäss, nicht im unteren Rücken. Wenn Ihr Rücken relativ schmerzfrei ist, aber das Sitzen unerträglich wird, spricht das eher für ein Piriformis-Problem.
Ursachen – Warum verkrampft der Piriformis?
Das Piriformis-Syndrom entsteht durch eine Kombination aus muskulärer Überlastung, Fehlhaltung und anatomischen Faktoren. Die häufigsten Auslöser im Überblick:
Langes Sitzen (Hauptursache Nr. 1)
Bei Schreibtischarbeit verbleibt der Piriformis 6–8 Stunden täglich in einer verkürzten Position. Das Körpergewicht komprimiert dabei den Muskel gegen den harten Stuhl. In der Folge verkürzt sich das Gewebe, die Durchblutung sinkt und Triggerpunkte bilden sich. Das sogenannte „Hip-Pocket-Syndrom" (Portemonnaie in der Gesässstasche) verstärkt den Druck auf den Piriformis einseitig und ist eine häufige Ursache bei Männern.
Sportliche Überlastung
Sportarten mit hoher Hüftbelastung beanspruchen den Piriformis intensiv. Besonders betroffen sind Läufer (repetitive Hüftrotation bei jedem Schritt), Radfahrer (gebeugte Hüftposition über lange Zeiträume), Tennisspieler (abrupte Richtungswechsel) und Fussballer (Schussbewegung mit Aussenrotation). Beim Laufen kontrahiert der Piriformis bei jedem Schritt, um das Becken zu stabilisieren – bei einem 10-km-Lauf bedeutet das rund 7 000–8 000 Kontraktionen pro Seite.
Anatomische Varianten
Bei rund 17 % der Bevölkerung verläuft der Ischiasnerv nicht unterhalb des Piriformis, sondern durch den Muskel hindurch (Bipartite-Variante). Diese Personen entwickeln bei identischer Belastung deutlich häufiger ein Piriformis-Syndrom, da selbst eine geringe Volumenzunahme des Muskels den Nerv direkt komprimiert.
Weitere Risikofaktoren
| Risikofaktor | Mechanismus |
|---|---|
| Beckenschiefstand | Einseitige Überlastung des Piriformis auf der kompensierenden Seite |
| Beinlängendifferenz | Asymmetrische Hüftstabilisation provoziert Dauerspannung |
| Schwangerschaft | Beckenerweiterung und veränderte Statik belasten den Piriformis zusätzlich |
| Trauma / Sturz auf das Gesäss | Direkte Muskelverletzung mit nachfolgender Schwellung und Narbenbildung |
| Schwache Glutealmuskulatur | Piriformis kompensiert die fehlende Stabilisation durch den Gluteus medius |
| Hüft-OP (post-chirurgisch) | Narbengewebe im Bereich des Piriformis kann den Nerv fixieren |
Piriformis-Syndrom vs. Bandscheibenvorfall – Unterschiede erkennen
Da beide Erkrankungen Ischiasschmerzen verursachen, ist die Unterscheidung klinisch essenziell. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Differenzierungsmerkmale zusammen:
| Merkmal | Piriformis-Syndrom | Bandscheibenvorfall (L4/L5) |
|---|---|---|
| Schmerzfokus | Tief im Gesäss, einseitig | Unterer Rücken (LWS) |
| Rückenschmerzen | Gering oder fehlend | Ausgeprägt, oft dominant |
| Sitzen | Verschlimmert Schmerzen deutlich | Kann verschlimmern, aber weniger spezifisch |
| Husten / Niesen | Kein Einfluss | Verstärkt den Beinschmerz häufig |
| Palpation Gesäss | Lokaler Druckschmerz über dem Piriformis | Kein spezifischer Druckschmerz im Gesäss |
| MRT der LWS | Unauffällig | Bandscheibenprotrusion/-prolaps sichtbar |
| Reflexe | Normal | Möglicherweise abgeschwächt (ASR, PSR) |
| Lasègue-Zeichen | Negativ oder > 60° | Positiv bei < 45° Hüftbeugung |
| FAIR-Test | Positiv | Negativ |
Diagnostik und Selbsttests
Eine eindeutige apparative Diagnose des Piriformis-Syndroms existiert nicht – die Diagnose erfolgt primär klinisch durch gezielte Provokationstests. In der orthopädischen Physiotherapie setzen wir die folgenden evidenzbasierten Tests ein:
Klinische Provokationstests
| Test | Durchführung | Positiv wenn |
|---|---|---|
| FAIR-Test | Rückenlage: Hüfte 60° gebeugt, adduziert und innenrotiert | Reproduktion der Gesäss-/Beinschmerzen |
| Freiberg-Test | Rückenlage: passives Innenrotieren des gestreckten Beins | Schmerz im Gesäss |
| Pace-Test | Sitzend: aktive Abduktion gegen Widerstand | Schmerz und/oder Schwäche im Gesäss |
| Beatty-Test | Seitlage: betroffenes Bein oben, Knie gebeugt, Knie aktiv anheben | Tiefer Gesässschmerz |
| Lasègue-Test | Rückenlage: gestrecktes Bein passiv anheben | Beim PS typischerweise negativ (> 60°); bei Bandscheibenvorfall < 45° positiv |
Bildgebende Verfahren
Ein MRT der Lendenwirbelsäule dient primär dem Ausschluss eines Bandscheibenvorfalls. Ein unauffälliges MRT bei gleichzeitig positiven Provokationstests stützt die Diagnose Piriformis-Syndrom. Spezifischer ist ein MRT des Beckens: Eine Verdickung oder Asymmetrie des Piriformis-Muskels kann sichtbar werden. Die Elektroneurografie (ENG) zeigt beim Piriformis-Syndrom oft keine Auffälligkeiten, da die Kompression distal der Nervenwurzel liegt – ein wichtiger Unterschied zum Bandscheibenvorfall.
Behandlung des Piriformis-Syndroms
Die Behandlung des Piriformis-Syndroms verfolgt drei Ziele: Schmerzlinderung, Lösung der muskulären Verspannung und Beseitigung der Ursache. Ein Behandlungszeitraum von 3–6 Monaten ist realistisch, wobei 60–70 % der Betroffenen innerhalb von 3 Monaten eine deutliche Besserung erfahren.
Physiotherapie (Kernbehandlung)
Die Physiotherapie bildet die Grundlage jeder Piriformis-Behandlung. In unserer Praxis in Wetzikon kombinieren wir manuelle Techniken mit gezieltem Übungsaufbau:
- Manuelle Therapie: Mobilisation des Hüftgelenks und des ISG (Iliosakralgelenk) zur Wiederherstellung der physiologischen Beweglichkeit
- Dehnung des Piriformis: Geführte Dehnungen mit Haltezeiten von 30–60 Sekunden, 3 × täglich
- Kräftigung der Glutealmuskulatur: Stärkung des Gluteus medius und maximus, damit der Piriformis nicht kompensatorisch überarbeitet
- Medizinische Trainingstherapie (MTT): Progressiver Belastungsaufbau nach Schmerzreduktion, 2–3 × pro Woche
Triggerpunkttherapie & Dry Needling
Die Triggerpunkttherapie löst myofasziale Knotenpunkte im Piriformis durch gezielten manuellen Druck. Ergänzend setzt Dry Needling sterile Akupunkturnadeln direkt in die Triggerpunkte des Piriformis ein. Studien zeigen eine Schmerzreduktion von durchschnittlich 40–60 % nach 3–4 Sitzungen.
Stosswellentherapie
Die Stosswellentherapie stimuliert die Durchblutung im verhärteten Piriformis-Gewebe und fördert die Auflösung von Verkalkungen und Adhäsionen. Empfohlen werden 3–5 Sitzungen im Abstand von jeweils 1 Woche.
Kinesiotaping
Kinesiotaping kann als Ergänzung zur aktiven Therapie die Muskelspannung des Piriformis reduzieren und die Propriozeption verbessern (→ Abschnitt Piriformis tapen).
Massage
Die Massage der Gesäss- und Hüftmuskulatur verbessert die Durchblutung und löst oberflächliche Verspannungen, die den Piriformis zusätzlich unter Spannung setzen.
Medikamentöse und invasive Optionen
| Massnahme | Wirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| NSAR (z. B. Ibuprofen) | Entzündungshemmung, Schmerzlinderung | Kurzfristig (< 2 Wochen); ärztliche Verordnung |
| Kortikosteroid-Injektion | Lokale Entzündungshemmung am Piriformis | Ultraschallgesteuert; Wirkdauer 4–12 Wochen |
| Botulinumtoxin-Injektion | Muskelrelaxation des Piriformis für 3–6 Monate | Bei therapieresistenten Fällen; CT-/Ultraschallgesteuert |
| Operative Dekompression | Chirurgische Durchtrennung des Piriformis | Letzte Option; Erfolgsrate ca. 65 % (signifikantes Rückfallrisiko) |
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Termin vereinbaren →Piriformis dehnen – 6 Übungen für zu Hause
Regelmässiges Piriformis dehnen ist die wirksamste Selbstmassnahme gegen das Piriformis-Syndrom. Führen Sie die folgenden Piriformis-Übungen täglich durch – idealerweise 2–3 × pro Tag. Halten Sie jede Dehnung 30–60 Sekunden und führen Sie 3 Wiederholungen pro Seite durch. Achten Sie auf einen angenehmen Dehnungsschmerz – niemals in den akuten Schmerz hinein dehnen.
Piriformis-Dehnung in Rückenlage (Grundübung)
- Ausgangsposition: Rückenlage, beide Knie aufgestellt
- Durchführung: Legen Sie den rechten Knöchel auf das linke Knie (Figur-4-Position). Umfassen Sie den linken Oberschenkel mit beiden Händen und ziehen Sie ihn Richtung Brust.
- Zielmuskel: Tiefer Gesässmuskel (Piriformis) rechts
- Dauer: 30–60 Sek. halten, 3 × pro Seite
- Häufigkeit: 2–3 × täglich
Knie-zur-Schulter-Dehnung
- Ausgangsposition: Rückenlage, Beine gestreckt
- Durchführung: Ziehen Sie das rechte Knie mit beiden Händen diagonal zur linken Schulter. Der untere Rücken bleibt am Boden.
- Zielmuskel: Piriformis und tiefe Aussenrotatoren
- Dauer: 30 Sek. halten, 3 × pro Seite
- Tipp: Leichtes Innenrotieren des Oberschenkels verstärkt die Dehnung
Piriformis dehnen im Sitzen (Büro-Übung)
- Ausgangsposition: Aufrecht auf einem Stuhl sitzen
- Durchführung: Rechten Knöchel auf das linke Knie legen. Oberkörper mit geradem Rücken (Lordose beibehalten) langsam nach vorne neigen, bis die Dehnung im rechten Gesäss spürbar wird.
- Zielmuskel: Piriformis rechts
- Dauer: 30–60 Sek. halten, 3 × pro Seite
- Vorteil: Jederzeit am Arbeitsplatz durchführbar
Piriformis dehnen im Stehen
- Ausgangsposition: Aufrecht stehen, Hände an einer Wand oder Tischkante
- Durchführung: Rechten Knöchel auf das linke Knie legen und langsam in die Hocke gehen, bis die Dehnung im Gesäss spürbar wird. Rücken gerade halten.
- Zielmuskel: Piriformis und Glutealmuskulatur
- Dauer: 20–30 Sek. halten, 3 × pro Seite
- Hinweis: Erfordert etwas Balance – bei Bedarf an der Wand abstützen
Clamshell (Muschelübung) – Kräftigung des Gluteus medius
- Ausgangsposition: Seitlage, Hüfte 45° gebeugt, Knie 90° gebeugt, Füsse übereinander
- Durchführung: Oberes Knie öffnen (wie eine Muschel), ohne das Becken zu drehen. Langsam zurückführen.
- Zielmuskel: Gluteus medius (entlastet den Piriformis)
- Dauer: 15 Wiederholungen, 3 Sätze pro Seite, 60 Sek. Pause
- Progression: Theraband um die Knie für erhöhten Widerstand
Tennisball-Selbstmassage des Piriformis
- Ausgangsposition: Sitzend auf dem Boden oder an einer Wand lehnend
- Durchführung: Tennisball unter die betroffene Gesässhälfte legen (seitlich, zwischen Kreuzbein und Trochanter). Langsam kreisend über den Schmerzpunkt rollen. Bei Triggerpunkten 30–60 Sekunden auf dem Punkt verweilen.
- Zielmuskel: Piriformis-Triggerpunkte
- Dauer: 2–3 Min. pro Seite, 1–2 × täglich
- Alternative: Faszienball (härter) oder Lacrosse-Ball für tiefere Penetration
Stoppen Sie die Übung sofort, wenn schiessende Schmerzen ins Bein auftreten, Taubheitsgefühle zunehmen oder der Schmerz nach der Übung stärker ist als vorher. Bei anhaltenden Beschwerden empfehlen wir eine physiotherapeutische Befunderhebung in unserer Praxis für Sportphysiotherapie in Wetzikon.
Piriformis-Triggerpunkte lösen
Triggerpunkte im Piriformis sind tastbare, schmerzhafte Verhärtungen (Knoten) im Muskelgewebe, die Fernschmerzen (Referred Pain) ins Bein auslösen können. Der primäre Triggerpunkt des Piriformis liegt am muskulären Mittelpunkt – circa auf halber Strecke zwischen Kreuzbein und Trochanter major.
In der Triggerpunkttherapie wird dieser Punkt mit gezieltem, anhaltendem Druck (ischämische Kompression) behandelt: 60–90 Sekunden Druck mit dem Daumen oder Ellenbogen, bis der Referred Pain abklingt. Pro Sitzung werden 2–3 Durchgänge durchgeführt. Dry Needling ergänzt diese Technik, indem sterile Nadeln direkt in den Triggerpunkt gesetzt werden – die resultierende lokale Zuckungsreaktion (Local Twitch Response) löst den Knoten oft sofort.
Ergänzend kann eine gezielte Piriformis Massage die Durchblutung im betroffenen Bereich steigern. Die Massage des Piriformis sollte mit langsamen, tiefen Streichungen vom Kreuzbein zum Trochanter erfolgen – 5–10 Minuten pro Sitzung, 2–3 × pro Woche. Kombiniert mit Triggerpunkttherapie reduziert die Massage die Ischias Schmerzen nachweislich schneller als Dehnung allein.
Piriformis-Syndrom tapen
Das Tapen des Piriformis mit Kinesiotape kann die Muskelspannung reduzieren und die Heilung unterstützen. Die Anleitung für das Piriformis-Syndrom Tapen:
- Vorbereitung: Haut im Gesässbereich reinigen und trocknen. Haare bei Bedarf kürzen.
- Tape-Streifen: Schneiden Sie einen I-Streifen von ca. 25 cm Länge zurecht.
- Anker setzen: Kleben Sie das Tape ohne Zug am Kreuzbein (Höhe S2–S3) an.
- Verlauf: Führen Sie das Tape mit 15–25 % Zug diagonal über den Piriformis-Muskel zum Trochanter major (seitlicher Hüftknochen).
- Abschluss: Letzten 3 cm ohne Zug aufkleben. Tape fest anreiben, um den Kleber zu aktivieren.
- Tragedauer: 3–5 Tage; danach erneuern
Schlafposition bei Piriformis-Syndrom
Die richtige Schlafposition kann Piriformis-Schmerzen in der Nacht deutlich reduzieren. Empfohlene Positionen:
| Position | Anleitung | Bewertung |
|---|---|---|
| Seitlage (Schmerzseite oben) | Kissen zwischen den Knien, Hüfte und Knie leicht gebeugt (ca. 30°) | ★★★ Beste Option |
| Rückenlage | Kissen unter den Knien, Hüfte leicht gebeugt | ★★★ Sehr gut |
| Seitlage (Schmerzseite unten) | Direkter Druck auf den Piriformis – verschlimmert oft | ★☆☆ Vermeiden |
| Bauchlage | Erhöht die Lordose und kann den Piriformis verkürzen | ★★☆ Bedingt geeignet |
Matratzen-Tipp: Eine mittelfeste Matratze verhindert, dass das Becken zu tief einsinkt und der Piriformis auf der Unterlage komprimiert wird. Zu weiche Matratzen fördern eine ungünstige Beckenrotation im Schlaf.
Piriformis-Syndrom geht nicht weg – Was tun?
Wenn das Piriformis-Syndrom trotz 4–6 Wochen konsequenter Dehnung und Physiotherapie nicht abklingt, sollten folgende Schritte eingeleitet werden:
- Differentialdiagnosen ausschliessen: MRT der LWS zum Ausschluss eines Bandscheibenvorfalls; MRT des Beckens zur Beurteilung des Piriformis-Muskels
- Behandlung intensivieren: Kombination aus Dry Needling, Stosswellentherapie und intensiver MTT
- Injektionstherapie erwägen: Ultraschallgesteuerte Kortikosteroid- oder Botulinumtoxin-Injektion durch den Facharzt
- Ursachenforschung vertiefen: Beckenschiefstand, Beinlängendifferenz, Fussfehlstellungen analysieren
Suchen Sie unverzüglich ärztliche Hilfe auf bei: plötzlicher Blasen-/Darmschwäche (Cauda-equina-Syndrom), progressiver Muskelschwäche im Bein (Fussheberparese), Taubheit im Genitalbereich (Reithosenanästhesie) oder Fieber in Kombination mit Rückenschmerzen.
Die Prognose ist insgesamt günstig: 80–90 % der Piriformis-Syndrom-Fälle heilen innerhalb von 6 Monaten mit konservativer Therapie vollständig aus. Bei der anatomischen Variante (Nerv durch den Muskel) kann die Heilung länger dauern – hier sind 6–12 Monate realistisch.
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Quellen & Studien
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- Beaton LE, Anson BJ. The relation of the sciatic nerve and its subdivisions to the piriformis muscle. The Anatomical Record. 1938;70(1):1-5.
- Tonley JC et al. Treatment of an individual with piriformis syndrome focusing on hip muscle strengthening. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy. 2010;40(2):103-111.
- Michel F et al. Piriformis syndrome: diagnostic criteria and treatment of a monocentric series of 250 patients. Annals of Physical and Rehabilitation Medicine. 2013;56(5):371-383.




